Sikhismus/Die Sikh Hochzeit

Sikhismus

Exklusive Artikel zum Thema Sikhismus:

17.04.2005 Einführung in die Lehren des Sikhismus
24.04.2005 Praktiken des Sikhismus und die Sikh-Gurus
03.05.2005 Das heilige Buch der Sikhs: Guru Granth Sahib
12.06.2005 Die Feierlichkeiten der Sikhs
17.03.2006 Die Sikh Hochzeit

 

Die Sikh Hochzeit


"Nicht jene werden Ehemann und Ehefrau genannt, welche lediglich beieinander sitzen, sondern jene, deren Seele in zwei Körpern ruht."
( Guru Amar Das )

 

Anand Karaj – Vereinigung zweier Seelen
Anand Karaj ist die vorschriftsmäßige Form der Heirat, wörtlich übersetzt bedeutet es selige Vereinigung. Die Lavan, vier Verse des Hochzeitliedes, wurden vom vierten Guru, Guru Ram Das, geschrieben. Die Sikh Hochzeit ist eine sehr spezielle Zeremonie, in der zwei Individuen in einer gleichgestellten Partnerschaft verbunden werden. Es ist ein fröhliches Ereignis, ein Ereignis welches in seiner Eigenschaft sehr familienorientiert und ungezwungen ist. Für gewöhnlich sind Sikh Hochzeiten arrangierte Hochzeiten, die Familien übernehmen nur den Teil des Vorstellens beider Parteien. Die Zu- oder Absage wird den beiden Brautleuten überlassen.

Die Reht Maryada, der offizielle Sikh Verhaltenscodex, schreibt vor, dass weder Kaste, Rasse noch der Abstammung Beachtung geschenkt werden darf. Sofern Braut und Bräutigam dem Sikh Glauben angehören und keinem anderen Glauben, darf nichts gegen eine Heirat sprechen. Die Reht Maryada verbietet jegliche Formen von Mitgift. Des Weiteren werden die Sikhs angehalten sich nicht dem Glauben an Horoskope oder Pandits zu wenden, um einen günstigen Zeitpunkt für die Heirat zu bestimmen.
Die Anand Karaj Zeremonie kann in jedem beliebigen Gurdwara abgehalten werden, oder auch zu Hause, sofern Guru Granth Sahib mit Respekt aufbewahrt wird. Das Vollziehen der religiösen Zeremonie in einem Hotel oder in einer Banketthalle ist strengstens verboten, da diese Räumlichkeiten als nicht würdig betrachtet werden.

Eine Verlobungszeremonie ist nicht vorgeschrieben, findet aber in den meisten Fällen trotzdem statt. Man unterscheidet die Zeremonien bei Braut und Bräutigam, Chunni Chadayi bei der Braut und Kurmai beim Bräutigam.

Chunni Chadayi
findet bei der Braut statt, die engsten Familienangehörigen besuchen die Braut zu Hause, sie bringen ihr die Kleidung und auch den Schmuck mit, welches sie an diesem Tag trägt. Danach steckt die Schwiegermutter in spe der Braut den Ring an den Finger und die Schwägerin trägt ihr Sindoor auf. Der Reihe nach geben die übrigen Familienmitglieder ihren Segen, es wird Tee mit Snacks serviert, die Zeremonie dauert nicht länger als 2 Stunden.

Kurmai
dagegen ist etwas komplizierter, die Familie der Braut bringt den Ring, Kada, Süßigkeiten und Obstkörbe für den Bräutigam. Das Obst wird an die übrigen Familienangehörigen verteilt, auch hier dauert die Zeremonie nicht länger als 2 Stunden.

Die Hochzeitszeremonie
Bei der Ankunft des Bräutigams wird Ardas gelesen, ein kleines Gebet. Danach findet Milni statt, es begrüßen sich die Väter und Onkel beider Familien mit Haar (Blumenkränzen) und Umarmungen. Die Milni der Frauen findet separat statt. Auf Milni folgt erst Tee mit Snacks bevor es dann ins Gurdwara zur eigentlichen Hochzeit geht. Im Gurdwara singen Ragis Kirtan, Hymnen aus dem Guru Granth Sahib, während alle Gäste das Gurdwara betreten und ihre Plätze einnehmen.

Im Gurdwara sitzen Männer und Frauen getrennt. Der Bräutigam bringt Geld und ein Rumala, eine neue Bedeckung für Guru Granth Sahib. Er nimmt dann seinen Platz gegenüber dem Guru Granth Sahib ein. Nachdem alle Hochzeitsgäste sitzen, betritt die Braut, ebenfalls mit Geld und einem Rumala, den gebetsraum. Sie setzt sich neben dem Bräutigam und beide warten bis die Ragis mit ihrem Kirtan fertig sind. Zu Beginn der Hochzeit stehen Braut und Bräutigam und die Väter beider für Ardas auf.

Nach dem Vollenden der Ardas übergibt der Vater der Braut, ein Schalende des Bräutigams in ihre Hand, als Zeichen dafür, dass er jetzt seine Tochter dem Bräutigam übergibt.

Lavan
Jetzt beginnt die eigentlich Hochzeitszeremonie, Anand Karaj. Die Lavan, Verse von Guru Ram Das, werden gelesen. Insgesamt gibt es vier Lavan, d.h. dass das Brautpaar viermal Guru Granth Sahib umläuft.

Vor und nach jeder Lava verbeugt sich das Brautpaar vor Guru Granth Sahib und zeigt dadurch sein Einverständnis.

In den Lavan geht es hauptsächlich darum, die Verbindung der menschlichen Seele, Aatma, mit Gott, Parmatma, zu feiern.

Jede Lava erklärt ein Stadium der Liebe und des verbundenen Lebens.

Der erste Vers betont die Aufgabe der Familie und der Gemeinschaft:

In der ersten Runde der Hochzeitszeremonie, gibt Gott Seine Anweisungen zu täglichen Pflichten des Ehelebens.

Statt der Hymnen, von den Veden zu Brahma, umarme das selbstgerechte Benehmen von Dharma, und verzichte auf sündiges Verhalten.

Meditiere auf Gottes Namen, umarm und lass Dich erleuchten, durch das Gedenken des Naams.

Verehre und Bewundere Guru, den Perfekten Wahren Guru, und Dein sündiger Rest wird vertrieben.

Den Guten Fügungen sei gedankt, überirdischer Segen wurde Uns zuteil, und Gott erscheint so süß in meinem Inneren.

Diener Nanak erklärt, dass hier, in der ersten Runde der Hochzeitszermonie, die Hochzeitszeremonie begonnen hat.

Der zweite Vers bezieht sich auf die Sehnsucht und Liebe für einander:

In der zweiten Runde der Zeremonie, wird Gott Euch den Weg zum Wahren Guru zeigen.
Mit Gottesfurcht, dem angstlosen Gott im Inneren, wird Egoismus aus Euren Herzen ausgemerzt.
Im Angesicht Gottes, des makellosen Gottes, singt die prächtigen Hymnen Gottes, und seht Gottes Gegenwart vor Euch.
Gott, die Höchste Seele, ist Gott und Meister des Universums; Er ist allmächtig, Er ist überall, füllt jeden Raum.
Tief im Inneren, und auch Außen, gibt es nur den Einen Gott.
Die demütigen Diener Gottes kommen zusammen und singen Hymnen der Freude.
Diener Nanak erklärt, dass in dieser zweiten Runde der Hochzeitszeremonie, die Shabads wieder erklingen.

Die dritte Vers bezieht sich auf die Trennung, in Panjabi Virag genannt:

In der dritten Runde der Hochzeitszeremonie, wird der Geist mit der Göttlichen Liebe gefüllt.
Dank des Schicksals, traf ich die demütigen Heiligen und ich fand Gott.
Ich fand den makellosen Gott, und nun singe ich seine prächtigen Hymnen.
Ich spreche Gottes Wort, Bani.
Dank der Guten Fügungen fand ich die demütigen Heiligen, und ich spreche die unausgesprochenen Worte Gottes.
Der Name Gottes durchdringt und hallt im Inneren meines Herzens, durch das Meditieren auf Gott, erkannte ich, dass mein Schicksal auf meiner Stirn geschrieben steht.
Diener Nanak erklärt, dass in der dritten Runde der Zeremonie, der Geist mit der Göttlichen Liebe des Einen Gottes gefüllt wird.

Der vierte Vers ist Ausdruck der Harmonie und der Abschluss des verbundenen Lebens:

In der vierten Runde der Hochzeitszeremonie, wird mein Geist friedlich, denn ich habe Gott gefunden.
Als Gurmukh habe ich Ihn getroffen, mit intuitiver Leichtigkeit, Gott erscheint meinem Geist und meinem Körper so süß.
Gott scheint so süß, Ich werde mich bemühen Gott zu gefallen.
Tag und Nacht, werde ich mein Bewusstsein auf Gott konzentrieren.
Ich habe meinen Gott und Meister erlangt, die Früchte meines Geistes Wunsches.
Gottes Name ertönt und hallt nach.
Gott, mein Herr und Meister, vermengt sich mit Seiner Braut, und ihr Herz erblüht im Naam.
Diener Nanak erklärt, dass in dieser vierten Runde der Hochzeitszeremonie, wir unseren Ewigen Gott gefunden haben.

Wir bedanken uns herzlichst bei der Autorin Satwindra Rai für die Übersetzung und Zusammenstellung der Artikel.
Veröffentlicht am 17.03.2006