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Die Sikh Hochzeit
"Nicht jene werden Ehemann und Ehefrau
genannt, welche lediglich beieinander sitzen, sondern jene, deren
Seele in zwei Körpern ruht."
( Guru Amar Das )
Anand Karaj – Vereinigung zweier Seelen
Anand Karaj ist die vorschriftsmäßige Form der
Heirat, wörtlich übersetzt bedeutet es selige Vereinigung.
Die Lavan, vier Verse des Hochzeitliedes, wurden vom vierten
Guru, Guru Ram Das, geschrieben. Die Sikh Hochzeit ist eine sehr spezielle
Zeremonie, in der zwei Individuen in einer gleichgestellten Partnerschaft
verbunden werden. Es ist ein fröhliches Ereignis, ein Ereignis
welches in seiner Eigenschaft sehr familienorientiert und ungezwungen
ist. Für gewöhnlich sind Sikh Hochzeiten arrangierte Hochzeiten,
die Familien übernehmen nur den Teil des Vorstellens beider Parteien.
Die Zu- oder Absage wird den beiden Brautleuten überlassen.
Die Reht Maryada, der offizielle Sikh Verhaltenscodex,
schreibt vor, dass weder Kaste, Rasse noch der Abstammung Beachtung
geschenkt werden darf. Sofern Braut und Bräutigam dem Sikh Glauben
angehören und keinem anderen Glauben, darf nichts gegen eine
Heirat sprechen. Die Reht Maryada verbietet jegliche Formen von Mitgift.
Des Weiteren werden die Sikhs angehalten sich nicht dem Glauben an
Horoskope oder Pandits zu wenden, um einen günstigen Zeitpunkt
für die Heirat zu bestimmen.
Die Anand Karaj Zeremonie kann in jedem beliebigen Gurdwara abgehalten
werden, oder auch zu Hause, sofern Guru Granth Sahib mit Respekt aufbewahrt
wird. Das Vollziehen der religiösen Zeremonie in einem Hotel
oder in einer Banketthalle ist strengstens verboten, da diese Räumlichkeiten
als nicht würdig betrachtet werden.
Eine Verlobungszeremonie ist nicht vorgeschrieben,
findet aber in den meisten Fällen trotzdem statt. Man unterscheidet
die Zeremonien bei Braut und Bräutigam, Chunni Chadayi
bei der Braut und Kurmai beim Bräutigam.
Chunni Chadayi
findet bei der Braut statt, die engsten Familienangehörigen besuchen
die Braut zu Hause, sie bringen ihr die Kleidung und auch den Schmuck
mit, welches sie an diesem Tag trägt. Danach steckt die Schwiegermutter
in spe der Braut den Ring an den Finger und die Schwägerin trägt
ihr Sindoor auf. Der Reihe nach geben die übrigen Familienmitglieder
ihren Segen, es wird Tee mit Snacks serviert, die Zeremonie dauert
nicht länger als 2 Stunden.
Kurmai
dagegen ist etwas komplizierter, die Familie der Braut bringt den
Ring, Kada, Süßigkeiten und Obstkörbe für den
Bräutigam. Das Obst wird an die übrigen Familienangehörigen
verteilt, auch hier dauert die Zeremonie nicht länger als 2 Stunden.
Die Hochzeitszeremonie
Bei der Ankunft des Bräutigams wird Ardas gelesen,
ein kleines Gebet. Danach findet Milni statt, es begrüßen
sich die Väter und Onkel beider Familien mit Haar (Blumenkränzen)
und Umarmungen. Die Milni der Frauen findet separat statt. Auf Milni
folgt erst Tee mit Snacks bevor es dann ins Gurdwara zur eigentlichen
Hochzeit geht. Im Gurdwara singen Ragis Kirtan, Hymnen aus
dem Guru Granth Sahib, während alle Gäste das Gurdwara betreten
und ihre Plätze einnehmen.
Im
Gurdwara sitzen Männer und Frauen getrennt. Der Bräutigam
bringt Geld und ein Rumala, eine neue Bedeckung für Guru Granth
Sahib. Er nimmt dann seinen Platz gegenüber dem Guru Granth Sahib
ein. Nachdem alle Hochzeitsgäste sitzen, betritt die Braut, ebenfalls
mit Geld und einem Rumala, den gebetsraum. Sie setzt sich neben dem
Bräutigam und beide warten bis die Ragis mit ihrem Kirtan fertig
sind. Zu Beginn der Hochzeit stehen Braut und Bräutigam und die
Väter beider für Ardas auf.
Nach dem Vollenden der Ardas übergibt der Vater
der Braut, ein Schalende des Bräutigams in ihre Hand, als Zeichen
dafür, dass er jetzt seine Tochter dem Bräutigam übergibt.
Lavan
Jetzt beginnt die eigentlich Hochzeitszeremonie, Anand Karaj.
Die Lavan, Verse von Guru Ram Das, werden gelesen. Insgesamt gibt
es vier Lavan, d.h. dass das Brautpaar viermal Guru Granth Sahib umläuft.
Vor und nach jeder Lava verbeugt sich das Brautpaar
vor Guru Granth Sahib und zeigt dadurch sein Einverständnis.

In den Lavan geht es hauptsächlich darum,
die Verbindung der menschlichen Seele, Aatma, mit Gott, Parmatma,
zu feiern.
Jede Lava erklärt ein Stadium der Liebe und des
verbundenen Lebens.
Der erste Vers betont die Aufgabe der
Familie und der Gemeinschaft:
In der ersten Runde der Hochzeitszeremonie, gibt Gott
Seine Anweisungen zu täglichen Pflichten des Ehelebens.
Statt der Hymnen, von den Veden zu Brahma, umarme das
selbstgerechte Benehmen von Dharma, und verzichte auf sündiges
Verhalten.
Meditiere auf Gottes Namen, umarm und lass Dich erleuchten,
durch das Gedenken des Naams.
Verehre und Bewundere Guru, den Perfekten Wahren Guru,
und Dein sündiger Rest wird vertrieben.
Den Guten Fügungen sei gedankt, überirdischer
Segen wurde Uns zuteil, und Gott erscheint so süß in meinem
Inneren.
Diener Nanak erklärt, dass hier, in der ersten
Runde der Hochzeitszermonie, die Hochzeitszeremonie begonnen hat.
Der zweite Vers bezieht sich auf die
Sehnsucht und Liebe für einander:
In der zweiten Runde der Zeremonie, wird Gott Euch
den Weg zum Wahren Guru zeigen.
Mit Gottesfurcht, dem angstlosen Gott im Inneren, wird Egoismus aus
Euren Herzen ausgemerzt.
Im Angesicht Gottes, des makellosen Gottes, singt die prächtigen
Hymnen Gottes, und seht Gottes Gegenwart vor Euch.
Gott, die Höchste Seele, ist Gott und Meister des Universums;
Er ist allmächtig, Er ist überall, füllt jeden Raum.
Tief im Inneren, und auch Außen, gibt es nur den Einen Gott.
Die demütigen Diener Gottes kommen zusammen und singen Hymnen
der Freude.
Diener Nanak erklärt, dass in dieser zweiten Runde der Hochzeitszeremonie,
die Shabads wieder erklingen.
Die dritte Vers bezieht sich auf die
Trennung, in Panjabi Virag genannt:
In der dritten Runde der Hochzeitszeremonie, wird der
Geist mit der Göttlichen Liebe gefüllt.
Dank des Schicksals, traf ich die demütigen Heiligen und ich
fand Gott.
Ich fand den makellosen Gott, und nun singe ich seine prächtigen
Hymnen.
Ich spreche Gottes Wort, Bani.
Dank der Guten Fügungen fand ich die demütigen Heiligen,
und ich spreche die unausgesprochenen Worte Gottes.
Der Name Gottes durchdringt und hallt im Inneren meines Herzens, durch
das Meditieren auf Gott, erkannte ich, dass mein Schicksal auf meiner
Stirn geschrieben steht.
Diener Nanak erklärt, dass in der dritten Runde der Zeremonie,
der Geist mit der Göttlichen Liebe des Einen Gottes gefüllt
wird.
Der vierte Vers ist Ausdruck der Harmonie
und der Abschluss des verbundenen Lebens:
In der vierten Runde der Hochzeitszeremonie, wird mein
Geist friedlich, denn ich habe Gott gefunden.
Als Gurmukh habe ich Ihn getroffen, mit intuitiver Leichtigkeit, Gott
erscheint meinem Geist und meinem Körper so süß.
Gott scheint so süß, Ich werde mich bemühen Gott zu
gefallen.
Tag und Nacht, werde ich mein Bewusstsein auf Gott konzentrieren.
Ich habe meinen Gott und Meister erlangt, die Früchte meines
Geistes Wunsches.
Gottes Name ertönt und hallt nach.
Gott, mein Herr und Meister, vermengt sich mit Seiner Braut, und ihr
Herz erblüht im Naam.
Diener Nanak erklärt, dass in dieser vierten Runde der Hochzeitszeremonie,
wir unseren Ewigen Gott gefunden haben.
Wir bedanken uns herzlichst bei der Autorin Satwindra
Rai für die Übersetzung und Zusammenstellung der Artikel.
Veröffentlicht am 17.03.2006
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