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Bollywoodfilm: Paheli

PAHELI

Regie: Amol Palekar
Genre: Liebesdrama
Schauspieler: Shah Rukh Khan, Rani Mukerji, Anupam Kher, Aditi Govitrikar, Neena Kulkarni, Dilip Prabhavalkar, Rajpal Yadav with Aasif Sheikh, A.K. Hangal, Juhi Chawla, Suniel Shetty, Amitabh Bachchan (Gastrolle)
Musikregie: M M Kreem
Liedtexte: Gulzar
Produzent: Gauri Khan / Red Chillies Entertainment
Kinostart Indien: 24. Juni 2005
Rezensiert von: Nandi für Happyindia.de

Story:
Kishan (Shah Rukh Khan), der Sohn des ebenso reichen wie geizigen Bhanwarlal (Anupam Kher), heiratet die wunderschöne Lachchi ( Rani Mukherjee). Doch schon in der Hochzeitsnacht wird der jungen Braut klar, dass sich ihr Ehemann mehr für das Geschäft und Zahlen interessiert. Bereits am nächsten Morgen begibt sich Kishan auf eine 5-jährige Geschäftsreise und lässt eine verzweifelte Lachchi in seinem Elternhaus zurück.

Diese Abwesenheit von Kishan nutzt ein körperloser Geist, der Lachchi auf Ihrer Hochzeitsprozession gesehen und sich unsterblich verliebt hat, aus. In der Gestalt von Kishan nimmt er seinen Platz in der Familie ein. Lachchi allerdings, erzählt er die Wahrheit und stellt sie damit vor eine schwierige Wahl. Sie entscheidet sich für ihn und für beide beginnt ein fröhliches und erfülltes Leben.
Dieses Glück ist jedoch nicht von Dauer, denn nach einigen Jahren steht der echte Kishan plötzlich und unerwartet vor der Tür...

Paheli spielt in den wunderschönen Landschaften von Rajasthan und bereits nach den ersten Minuten wird dem Zuschauer klar, dass dieser Film ein einziger Farbenrausch ist. Die Geschichte beginnt mit dem Song Aadhi Raat Jab, der einen fröhlich und farbenfroh in die Zeit und die einzigartige Atmosphäre einstimmt. Überhaupt kommen Liebhaber von Saris und traditionellen Kostümen in Paheli voll auf ihre Kosten. Es wimmelt geradezu von herrlichen Kleidern, bunten Stoffen und prächtigen Turbanen. Auch der Schmuck, in Form von Tikkas, Colliers, Armreifen und Ohrringen ist atemberaubend schön.
Ebenso fallen die beeindruckenden Sets auf, die mit viel Liebe zum Detail gebaut wurden. Dem Zuschauer wird es leicht gemacht, sich total in diese besondere Stimmung fallen zu lassen. Die wirklich schöne und stimmungsvolle Beleuchtung während des ganzen Filmes, trägt ebenso dazu bei.

Paheli ist Amol Palekars erster echter High Budget Bollywoodfilm. Er ist in Indien bekannt und hochgeschätzt als exzellenter Filmemacher von indischen Studiofilmen und Gewinner vieler nationaler Awards. Palekar erzählt dieses Märchen, das auf dem Roman von Vijayadan Detha basiert, in kunstvollen Bildern, die historisch angehaucht sind und doch ein ganz aktuelles Thema behandeln. Nämlich die freie Entscheidung von Frauen über ihr Leben. Shah Rukh Khan erklärt in zahlreichen Interviews, dass dieser Film eine Geschichte für Frauen ist.

Die Schauspieler
So entrückend schön die Bilder von Paheli sind, so bezaubernd sind auch seine Darsteller. Vor allem die weiblichen Stars. Nie habe ich Rani Mukherrjee und
Juhi Chawla schöner gesehen, als in diesem Märchen.
Die Auftritte von Amitabh Bachchan, Suniel Shetty und Juhi Chawla kann man leider nur als Gastauftritte bezeichnen. Gerade von der bezaubernden Juhi hätte ich gerne mehr gesehen.

Bei Amitabh Bachchans kleiner, aber entscheidener Szene, bekommt man das Gefühl, dass ihm diese Rolle großen Spaß macht. Er sprüht förmlich vor Spielfreude.
Anupam Kher
spielt seine Rolle als geldgieriger Vater mit gewohnter Klasse. Leider hat Komiker Rajpal Yadav nur wenige Szenen, in denen er das Zwerchfell der Zuschauer fordert. Es hätte gern etwas mehr sein können, denn seine Gesichtsausdrücke sind einfach urkomisch.
Rani Mukherjee ist zweifellos eine der besten Schauspielerinnen, die Indien im Moment vorweisen kann. In Paheli zeigt sie eindrucksvoll, dass sie in der Lage
ist, ohne Worte zu sprechen. Mit ihrer ausdrucksstarken Mimik und ihren vielsagenden Augen, schafft sie Emotionen ohne dabei künstlich oder aufgesetzt
zu wirken.
Shah Rukh Khan rückt mit dieser Doppelrolle wieder ein Stück von seinem alten Schema als ewig junger Sunnyboy weg und zeigt deutlich, dass er sich als Schauspieler stetig weiterentwickelt. Kishan zeigt er als trockenen und
langweiligen Händler, der nur Zahlen im Kopf hat. Herrlich sind die ersten Szenen, in denen man ihn nur Rechnungen murmelnd erlebt. Und doch schafft er es auch positive Gefühle in den Charakter zu legen. Ich habe durchaus Mitleid mit Kishan empfunden, der während seiner langen Abwesenheit auch so etwas wie Heimweh und Sehnsucht nach seiner Frau und Familie zu spüren scheint. Auch die
Verzweiflung und Fassungslosigkeit , die ihn wie ein Faustschlag trifft, als er auf seinen vermeintlichen Doppelgänger trifft, ist durchaus nachvollziehbar.
Shah Rukh Khan trennt beide Figuren mit viel Liebe zum Detail. Gerade in der letzten Stunde, in der beide Kishans gleichzeitig zu sehen sind, kann man die feinen Unterschiede erkennen. Der Geist bleibt immer ruhig und überlegt, während dem wahren Kishan seine Verzweiflung deutlich anzumerken ist. Beide Figuren haben einen komplett anderen Gang und auch seine berühmten Armgesten und Kopfbewegungen setzt Shah Rukh Khan hier ganz bewusst in verschiedener Art und Weise ein. Ebenso variiert er enorm mit dem Sprachtempo und zeigt so noch mehr Unterschiede zwischen den beiden Männer auf.Was mich noch beeindruckt hat, ist die leise und ruhige Art, die er dem Geist gegeben hat. Er überzeugt Lachchi nicht durch lauten und ungestümen Charme ,
sondern mit leisen und eindringlichen Worten, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Nicht bei Lacchchi und sicher auch nicht bei seinen zahlreichen Fans. In den vielen Dialogen zwischen Rani und Shah Rukh harmonieren gerade die Stimmen der beiden Schauspieler auf eine märchenhafte Art und Weise. Bei vielen Fans gab es einen Aufschrei, als sie die ersten Bilder von Shah Rukh mit Bart sahen, im Film selber gewöhnt man sich jedoch sehr schnell daran. Nur Shah Rukh selber hatte während des ganzen Drehs Probleme mit seinem Schnauzer. Er empfand ihn als stark irritierend und hofft, dass er nicht so bald wieder einen tragen muss. Die Dreharbeiten im heißen Rajasthan sollen sehr komfortabel gewesen sein und fast alle Schauspieler lobten Shah Rukh Khan als enorm umsichtigen und besorgten Produzenten.

Die Musik
Ich muss zugeben, dass der Soundtrack bei mir zu Hause nicht so oft läuft. Denn um diese Lieder richtig genießen und verstehen zu können, brauche ich diese fantastischen Bilder dazu. Der schönste Song ist wohl mit Abstand, 'Dhere Jalna', der im Film selber leider etwas zu kurz kommt und von Spielszenen unterbrochen wird. Dadurch verliert er etwas an Eindringlichkeit. Und auch die kurzen Einstellungen von Rani und Shah Rukh im Regen, hätten für meinen Geschmack ruhig etwas länger dauern können.
Bei 'Kangana Re' bricht wieder eine Farbenflut über den Zuschauer herein und das Stillsitzen dürfte dem Ein oder Anderen schwer fallen. Nicht zuletzt Dank der beschwingten Choreographie von Farah Khan. 'Khali Hai' zeigt die Momente, in denen mein Herz für einen Augenblick für den echten Kishan geschlagen hat und ist sehr eindringlich. Ans Herz legen kann ich jedem nur den Abspann mit dem lustigen 'Phir Raat Kati', das ich beim ersten Hören so gar nicht mochte. Mit der herrlichen Tanzeinlage von Rani und Shah Rukh als Puppen ist er jedoch ein absoluter Hingucker.

Paheli ist ein wunderbares Märchen, dass zum Glück die Entscheidung von Lachchi nicht kommentiert und in Frage stellt. Der erhobene Zeigefinger bleibt glücklicherweise aus. Über den Schluss ist ja bereits an verschiedenen Stellen viel diskutiert worden und es hat den Anschein, als gäbe es mehrere Möglichkeiten ihn zu deuten. Vielleicht ist aber auch gerade das von den Machern so gewollt. Was bleibt ist ein unterhaltsamer, ruhiger Film, der auf große Action verzichtet und einen in einen wahren Bilderrausch aus Farben und Licht entführt. Sicher ist die Wirkung im Kino weitaus größer als zu Hause vor dem Fernseher, daher bleibt zu hoffen, dass er in einigen deutschen Kinos noch mal laufen wird und viele von Euch in den Genuss eines tollen Bollywood Erlebnisses kommen
können.

Nandi, März 2007