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 Autor:
Oliver Müller
Stilrichtung: Sachbuch
Gebundene Ausgabe: 302 Seiten
Verlag: Hanser Fachbuchverlag; Auflage: 1 (10/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN: 3-446-40675-1
Rezension von: Rawi für Happyindia.de
User Rezension
Der Autor des Buches ist ein Asienkenner und lebt
als Handelsblattkorrespondent seit drei Jahren in Neu-Delhi, zuvor
hat er bereits drei Jahre in Hong Kong sein Zuhause gehabt.
Zu lange stand Indien im Schatten seines großen
Nachbarn China und wurde vor allem von vielen deutschen Managern sträflich
vernachläßigt. Dem Vergleich mit Chinas Aufstieg kann auch
Müller nicht aus dem Weg gehen, doch statt wie landläufig
üblich, bekannte Kennzahlen gegenüber zu stellen, geht er
auf die unterschiedlichen Entwicklungswege der Länder ein. Unterschiede,
die für die Standortauswahl und Investitionssicherheit von immenser
Bedeutung sind.
Müller analysiert die Entwicklung des Subkontinents
und wagt Zukunftsprognosen. Indien kommt durchweg positiv weg, trotzdem
hat es noch einen langen Weg vor sich. Die Positionierung Indiens
als „Büro der Welt“, während China den Titel
„Werkbank der Welt“ für sich beansprucht, ist die
zentrale Thematik des Buches. Dieser rote Faden zoeht sich durch die
meisten Kapitel und wird durchleuchtet. Mir hat sehr gefallen, daß
Müller auf die Ursachen und Umstände des momentan herrschenden
Wirtschaftswachstums eingeht. Die größte Demokratie der
Welt weist Diskrepanzen auf, jeder hat von den Kontrasten des Landes
gehört, gelesen oder selbst auf einer Reise erlebt, Müller
begnügt sich nicht mit einer Aufzählung, er erklärt
sie.
Kapitalismus ist keine Einbahnstrasse. Indiens Unternehmer
haben längst die Ehrfurcht vor dem Westen abgelebt und nutzen
ihren steigenden Cashflow um mittelständische Perlen aus ganz
Europa aufzukaufen. Firmenübernahmen und Joint Ventures mit indischen
Partnern sorgen immer für ein siegessicheres Lächeln bei
westlichen Managern, aber wehe ein Inder, wie Mittal, greift nach
einem europäischen Unternehmen und den weltgrößten
Stahlkonzern zu bauen. Eine andere Seite des globalen Kapitalismus,
eine Seite die dem Westen nicht unbedingt gefällt, aber Teil
des Ganzen ist.
Indien steht sich aber auch selbst im Weg. Faktoren,
die das Wachstum hemmen werden klar angesprochen, zum einen die drittklassige
Infrastruktur zum anderen die Fesseln der Politik, die lieber auf
schnelle Erfolge setzt als langfristige Planung. Kein Grund für
den Westen sich in Sicherheit zu wiegen, denn unlängst hat sich
Indien einen Namen in „Forschung & Entwicklung“ gemacht
und seine Armada von gutausgebildeten Ingenieuren setzen dem Qualitätssiegel
„Made in Germany“ mächtig zu, denn der Wissensvorsprung
Deutschlands schmilzt. Eine große konsumhungrige Gesellschaft
greift mit ihrer Elite ihr ehemaliges Vorbild in Bereichen Hightech,
Medizin, Maschinenbau, Automobilbau und Chemie an. Und ihre Ärzte
erstellen heute schon Befunde für Patienten im fernen Amerika,
denn die Datenleitung läßt die Distanz auf Millisekunden
verschmelzen.
Warum gerade Deutschland wachsam sein muss und mit
den richtigen Entscheidungen aus Wirtschaft und Politik sogar vom
indischen Standortvorteilen profitieren kann, ist ebenfalls zu lesen.
Schließliche schränkt sich die Konkurrenz längst nicht
mehr auf Callcenter-Jobs ein, heute sind Sekretärinnen genauso
betroffen wie Manager und Uniabsolventen.
Das Buch liest sich sehr gut und man kann es durchaus
den am Wirtschaftinteressierten aber nichtfachkundigen Leser empfehlen.
Es ist sauber gegliedert und der Lesefluß wird nicht von Tabellen
und trockene Zahlenreihen unterbrochen. Die Gebetsmühlenartige
Wiederholung von zentralen Erkenntnissen innerhalb eines Kapitels
empfand ich als nervig – vor allem, wenn keine neue Perspektive
dabei Eingang findet. Das Buch ist sein Geld auf jeden Fall Wert,
es eignet sich für den Einsteiger genauso, wie dem Manager oder
Familienunternehmer, der sich einen ersten Überblick über
das Land verschaffen möchte.
Rawi
Rezension online seit 17.12.2006
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