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Wo bitte geht's hier zur Erleuchtung?
Eine indische Reise

von: Sarah MacDonald
Originaltitel: Holy Cow! An Indian Adventure
Übersetzt von: Wieland Freund
Stilrichtung:
Roman
Taschenbuch:
396 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499241595
ISBN-13: 978-3499241598
Rezension von: Vera Schwallbach für Happyindia.de

 

User Rezension

Sarah MacDonald hatte vor vielen Jahren einmal eine längere Indienreise gemacht – wie so viele junge Australier – und war ziemlich genervt von dort zurückgekommen. Nie wieder!, hatte sie sich geschworen, doch wie das Schicksal so will, bekommt Jonathan – Fernsehjournalist wie sie selbst und ihre große Liebe – einen Job in Neu-Delhi. Der Liebe wegen wirft sie also ihre Vorsätze über Bord und geht mit ihm nach Indien, um für längere Zeit dort zu leben.

Nach kurzer Zeit wird sie schwer krank, so krank, dass sie sich vor Dankbarkeit mit dem Leben davongekommen zu sein wie neu geboren fühlt. Um in Indien ihren inneren Frieden zu finden, begibt sie sich auf eine spirituelle Suche in „Indiens spirituellem Supermarkt“, bei der sie – die erklärte Agnostikerin – die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen kennen lernen wird.

Sie beginnt im Himalaya, in Dharamkot, in einem Vipassana-Zentrum, wo eine am Buddhismus orientierte Meditationslehre unterrichtet wird. Dann besucht sie Amritsar, die Stadt der Sikhs und des Goldenen Tempels. Nächste Station ist das muslimische Kaschmir, inklusive einer Hochzeitsfeier, bei der es einundzwanzig Sorten Hammelfleisch gibt, danach nimmt sie am Ufer des Ganges an der Kumbh Mela teil, dem größten hinduistischen Fest und feiert dann zurück in Delhi mit ihren indischen Freunden das Holi-Fest. Als nächstes fährt sie wieder in den Himalaya, nach Dharamsala, wo der Dalai Lama residiert, und nimmt dort an buddhistischen Seminaren teil. Außerdem begegnet sie dort vielen jungen, israelischen Touristen, durch die sie einen Einblick ins Judentum gewinnt. Das vertieft sie später bei einer Reise zu den hauptsächlich in Bombay ansässigen indischen Juden. Es folgen Begegnungen mit der parsischen Religion, mit Sufis in Pakistan (dort besucht sie ihren Mann, der im Anschluss an den 11. September von seinem Sender nach Afghanistan und Pakistan geschickt wurde) und mit dem Jainismus. Sie besucht eine Heilige in Kerala, die Mata Amritanandamayi, die sie später als ihr "Guru Girl" bezeichnet, den berühmten Sai Baba, eine New Age Gruppe namens Kryon und Auroville in Pondicherry. Ihre Hausangestellten, die größtenteils südindische Christen sind und beleidigt darüber, dass sie das Christentum bei ihren Recherchen ausspart, bringen sie schließlich auch noch dazu, ein christliches Fest im Süden zu besuchen. Die so ganz andere Art, wie die Inder mit dem Christentum umgehen, versöhnt Sarah irgendwie mit ihrer ursprünglichen Religion. Am Ende des Buches resümiert sie, dass jede der Religionen ihr etwas Wichtiges beigebracht hat und dass sie selbst sich in Indien "erneuert" hat. Ihr anfänglicher Hass gegen das Land hat sich zum Ende hin eher in Liebe verwandelt.

Das alles klingt vielleicht jetzt sehr spirituell und abgehoben, ist es aber gar nicht, denn es wird in lockerem, amüsantem und teilweise schnoddrigem Ton erzählt und ist durchsetzt mit vielen Erlebnissen aus ihrem indischen Alltagsleben, die nichts mit Spiritualität zu tun haben. Sarah hat z.B. auch eine Bollywoodphase und beginnt ihren Bericht über Bollywoodfilme so: "Ein Mann mit Vokuhila und drei Daumen, im weißen Simon-Le-Bon-Anzug und einem rosa Pullover über den Schultern, springt über bösartige Krokodile, um eine junge Frau zu retten. Sie hat große Augen, eine große Nase und riesige Titten und ist auf einem Baum in Ohnmacht gefallen. Er trägt sie zu einem Boot, aber der Motor ist verreckt, also klemmt er sich das Abschleppseil zwischen die Zähne und schwimmt - über das Meer zieht er sie, bis ins Krankenhaus." So geht das noch eine Weile weiter, und ich als Bollywoodfan habe mich königlich amüsiert und wusste gleich, welcher Film da beschrieben wurde. Sie lernt Preity Zinta persönlich kennen und trifft Amitabh Bachchcan beim Aufzeichnen einer Episode vom indischen "Wer wird Millionär".

Man bekommt durch diesen Bericht sehr viele interessante Einblicke in die indische Mentalität, die natürlich höchst subjektiv sind, aber auch nichts anderes sein wollen. Obwohl ich kein übermäßiges Interesse an Religion habe, hat mich dieses Buch gefesselt und gut unterhalten. Für Leute, die eine Reise oder einen längeren Aufenthalt in Indien planen, eine unbedingte Empfehlung, aber auch für alle "arm chair travellers".

Vera Schwallbach
Rezension online seit 06.05.2007

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