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King of Bollywood: Shah Rukh Khan and the Seductive World of Indian Cinema

von: Anupama Chopra
Stilrichtung:
Sachbuch
Gebundene Ausgabe:
250 Seiten
Verlag: Grand Central Publishing (27.08.2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0446578584
ISBN-13: 978-0446578585
Rezension von: Vera Schwallbach für Happyindia.de

 

User Rezension

Wie der Titel des Buches schon andeutet, geht es darin nicht allein um Shah Rukh Khan – also kein reines Fan-Buch. Das wäre auch bei weitem nicht so interessant gewesen, denn die Fakten über Shah Rukh sind ohnehin den meisten Fans hinlänglich bekannt. Natürlich gibt es ein paar Schmankerln, die man noch nicht kannte. Aber das wirklich Interessante an diesem Buch ist, wie die Geschichte von Shah Rukhs Herkunft, Kindheit und Jugend in Delhi, Ankunft in Bombay und schließlich seinem unaufhaltsamen Aufstieg in der Filmwelt mit der Geschichte Indiens und natürlich besonders mit der Geschichte des indischen Films verwoben wird.

Die Autorin hat unzählige Interviews mit Fans, Filmschaffenden, Menschen aus Shah Rukhs Umfeld, mit Familie und Freunden und vor allem mit Shah Rukh selbst durchgeführt. Der eine Strang des Buches berichtet in anekdotischer Form tatsächlich über Shah Rukhs Leben: Wer seine Eltern waren, wie sie sich kennen gelernt haben (in echter Bollywood-Manier: Fatima hatte einen Autounfall und Meer kam zufällig vorbei, brachte sie ins Krankenhaus und spendete ihr Blut), wie sie lebten (arm, aber extrem gastfreundlich) und wie sie Shah Rukh erzogen haben. Man erfährt, dass auch Shah Rukhs Vater – ein sehr gut aussehender Mann – kurzfristig Ambitionen hatte, in Bombay als Schauspieler Karriere zu machen; allerdings hat er sich sehr schnell wieder entmutigen lassen. Wie Shah Rukh schon als Knirps so getanzt hat wie Mumtaz, mit sieben Jahren seine Liebe zum Film entstand (seine Mutter belohnte ihn mit Kinobesuchen, wenn er gute Noten in Hindi hatte) und mit acht kleine Gedichte schrieb, die sein Vater zu schätzen wusste. Wie er als Teenager regelmäßig mit Amrita Singh ins Kino ging – seiner späteren Filmpartnerin und dann Ehefrau von Saif Ali Khan. Wir begleiten ihn durch seine Schulzeit, erfahren etwas über die "C-Gang", wie Shah Rukh und seine coolen Freunde sich nannten.

Wie Shah Rukh seine Frau Gauri kennen gelernt hat und ihr den Hof machte, sie ihn irgendwann aber zu besitzergreifend fand und eine Denkpause verlangte (1990), dann aber doch feststellte, dass er der Richtige für sie war; wir erfahren, wie schwer es war, ihre Eltern davon zu überzeugen, dieser Heirat mit einem Habenichts von Schauspieler, der noch dazu ein Moslem war, zuzustimmen. Wie Shah Rukh in Bombay bei den Dreharbeiten zur Fernsehserie "Circus" u.a. Aziz Mirza und Viveck Vaswani kennen lernte und dann kurzentschlossen zwei Wochen nach dem Tod seiner Mutter seine Koffer packte, nach Bombay flog und bei Viveck einen Vertrag über vier Filme unterschrieb, von denen Deewana als erster fertig wurde und Shah Rukh seinen ersten Filmfare Award einbrachte. Der Rest ist Geschichte … Shah Rukh wagte sich an negative Rollen, die sonst niemand spielen wollte, weil das als professioneller Selbstmord angesehen wurde, hatte damit Erfolg und war froh, sich von den anderen Khans – Salman und Aamir – zu unterscheiden, die damals nur romantische Helden spielten. Er mochte romantische Filme nie, hatte aber dann seine größten Erfolge genau damit. Wir erfahren wie der erst dreiundzwanzig Jahre alte Aditya Chopra Dilwale Dulhania Le Jayenge geschaffen hat und Shah Rukh sich während des Drehs mit dem Regieassistenten Karan Johar angefreundet und diesen sogar ermutigt hat, selbst einen Film zu drehen - er würde auch eine Rolle darin übernehmen. Es folgte Karans Kuch Kuch Hota Hai – beide Filme, DDLJ und KKHH gaben den Auslandsindern das Gefühl, fest mit ihrem Heimatland verwurzelt zu sein.

Wir erfahren, wie Shah Rukh mit dem Tiefpunkt seiner bisheriger Karriere fertig wurde, der im Januar 2000 mit Phir Bhi Dil Hai Hindustani begann – dem ersten Film von Shah Rukhs eigener Produktionsfirma Dreamz Unlimited. In diese Zeit fiel auch die Ankunft von Hrithik Roshan auf der Bildfläche, der von der Presse sofort als Thronerbe und neuer Superstar gehandelt wurde. Auch die nächste Eigenproduktion – Ashoka – war ein Flop. Richtig überwunden war der Karriereknick erst wieder mit Devdas im Jahr 2002. Interessant auch das Kapitel über Shah Rukhs Zusammenstöße mit der Mafia.

Parallel dazu geht es um die Entwicklung des indischen Films im Verlauf der Jahrzehnte, diverse Stars von früher und die Schauspielerdynastien, wir erfahren, wer zuerst den Namen Bollywood geprägt hat, und dass Mahesh Bhatt einmal gesagt hat, dass Pakistan Indien nie angreifen würde, weil Shah Rukh Khan dort lebt; wie die indische Fernsehlandschaft erst im Jahre 1982 interessanter wurde, als es nicht mehr nur die staatlich geförderten Sendungen gab, die so dröge waren, dass die Leute sich auf die Werbeblöcke gefreut haben. Und über die prekäre Koexistenz von Stars und Klatschmagazinen, über die Finanzierung von Filmen durch Mafia-Gelder, die erst seit 1998 wegfallen konnte, nachdem Bollywood endlich der Status einer Industrie zuerkannt wurde, und Filmproduzenten seitdem leichter Bankkredite bekommen können, und und und … eine Fülle von Informationen, vermittelt in anschaulicher, gut lesbarer und unterhaltsamer Form.

Die Autorin sieht in Shah Rukh Khans Aufstieg eine Metapher für ein Land, das sich in atemberaubendem Tempo verändert. Er ist ein Moslem-Superstar in einem mehrheitlich hinduistischen Land, sein Leben spiegelt die grundsätzlichen Widersprüche einer Nation wider, die sich nach ihrer Befreiung aufgemacht hat, in einer globalisierten Welt Erfolg zu haben. In seinen Filmen zeigt er seinen Landsleuten, dass ein Inder den materiellen Luxus des Westens genießen kann, gleichzeitig aber auch die Denkweise, Philosophie und Werte des Ostens beibehalten kann.

Ein Buch, das man mehrmals lesen kann, da man es bei der ersten Lektüre so verschlingt, dass man gar nicht all die gebotenen Informationen aufnehmen kann. Auch wenn man viele der Informationen über Shah Rukhs Leben schon kennt, so macht es doch Spaß, sie in so zusammenhängender Form lesen zu können, zumal man hier weiß, dass die Autorin sie aus erster Hand hat. Sie lässt sich nicht zu Klatsch und Tratsch hinreißen, auch nicht zu übertriebenen Huldigungen des Stars, bleibt objektiv und wahrt eine kritische Distanz. Obwohl man eine Unmenge an Informationen über die indische Filmwelt bekommt, ist das Buch keine trockene wissenschaftliche Abhandlung – die Verknüpfung mit Shah Rukhs Biographie, die sich als roter Faden durch das Buch zieht, macht es zu einer lebendigen und spannenden Lektüre.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Shah Rukh-Fans, sondern für alle, die sich für Indien und Bollywood interessieren.

 

Vera Schwallbach
Rezension online seit 24.08.2007

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