/Buchrezensionen/Indien – Land des kleinen Glücks

Indien – Land des kleinen Glücks

von: Ilija Trojanow, Katrin Simon (Fotos)
Stilrichtung:
Bildtextband
Gebundene Ausgabe:
157 Seiten
Verlag: Ars Vivendi; Auflage: 1 (8/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3897167085
ISBN-13: 978-3897167087
Rezension von: Maren Schrobar für Happyindia.de

 

User Rezension

Es gibt Bücher, die sind einfach schön. Und zwar von innen wie von außen. Ein solches Buch ist „Indien – Land des kleinen Glücks“. Eine „Liebeserklärung“ an Indien soll es sein, so die Autoren im Vorwort, und genauso ist der Bildtextband auch gestaltet. Von außen lockt das Foto einer in Cellophan gehüllten indischen Gottheit auf Lotusblüte vor saripinkem Hintergrund. Wer dieser Verlockung nachgibt und das Buch aufschlägt, wird nicht enttäuscht.

Auf gut 150 Seiten erwarten den Betrachter Fotos und Texte aus und über Indien. Die Texte entstammen zum größten Teil den Büchern Ilija Trojanows und sind immer in Bezug zu den Fotos von Katrin Simon gesetzt. Bei den Texten handelt es sich um kleine Erzählungen, mal poetisch, mal sachlich gehalten, um persönliche Empfindungen oder kleine philosophische Gedankengänge, meist aber schlicht um die Betrachtung der Menschen und Umgebung Indiens. Ebenso verhält es sich mit den Fotos, die abseits der bekannten indischen Postkartenmotive alltägliche Bilder in einer Art Schnappschuss-Illusion zeigen. Es sind hauptsächlich Begegnungen, die sich in den Bildern widerspiegeln – Begegnungen, die eine Reise letztendlich ausmachen.

Da sind zum Beispiel die beiden Männer, die den Fluss auf aufgepumpten Schläuchen als Transportweg zum nächsten Ort benutzen und ihre Einkäufe dabei unter ihrem Turban verstaut haben. Auf dem Foto spiegeln sich ihre Fröhlichkeit und Zufriedenheit wider, trotz oder vielleicht gerade wegen des langsamen Nachhausetreibens auf dem Fluss. Ein anderes Bild erzählt von der Begegnung mit einem Pilger auf dem Weg zur Quelle des Ganges. Er sei nicht auf Pilgerschaft, erklärt dieser, „sondern er reise, um sich der Natur zu widmen“. Die Geschichte der Seiltänzerin von Udaipur, die durch eine List des Maharadschas im See ertrinkt, wird von einem Bild des Lake Palace, des königlichen Sommerpalastes in Udaipur, untermalt. Ein Foto fehlt jedoch: Wie Bauersfrauen in Kerala Bollywood-Filme zweckentfremden und die glitzernden Videobänder als „hochtechnisierte Vogelscheuchen“ verwenden, hätte ich zu gern gesehen. Vielleicht im Folgeband?

Das Buch macht jedenfalls Lust auf mehr, unter anderem auch darauf, mehr Texte von Ilija Trojanow zu lesen. Es ist ein Buch, das man gerne immer wieder liest und betrachtet. Ein Buch, mit dem man sich aufs Sofa zurückzieht und sich einige Momente des „kleinen Glücks“ gönnt.

Maren Schrobar
Rezension online seit 30.03.2007

 

 

OTTO - Ihr Online-Shop

Zeitschriften von Hubert Burda Media - Bunte + Co.