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Indien Einst & Jetzt

von: Vir Sanghvi, Rudrangshu Mukherjee
Übersetzt von: Christel Klink, Stefanie Schaeffler
Stilrichtung: Bildband
Gebundene Ausgabe: 274
Verlag: Frederking u. Thaler (9/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN:
3-89405-669-X
Rezension von: Rawi Nagpal für Happyindia.de

 

User Rezension

Das Buch bietet sich dem Leser als ein zweiteiliger Buchband: 'Indien Einst' beschäftigt sich mit der Kolonialzeit bis zur Unabhängigkeit in 1947. 'Indien Jetzt' behandelt das heutige Indien mit dem vorangegangenen politischen und gesellschaftlichen Wandel. Im Mittelpunkt des Buches, vor allem in Indien Einst, steht die Architektur des Landes, mit seinen wunderschönen Palästen und religiösen Gebetsstätten.

Indien Einst:
Die geschichtliche Einführung behandelt das prähistorische Indien und geht genauer auf die Herrscher und ihre Dynastien ein, die jeweils über Teile des Subkontinents regiert haben. Der Einmarsch von Alexander des Grossen gehört genauso dazu, wie Asokas Übertritt zum Buddhismus nach dem ihm die Grausamkeiten in Kalinga seinen Seelenfrieden raubten. Das Mugulreich ist ebenfalls Thema, daran schliesst sich die Britische Herrschaft an, dann geht der Autor auf den Nationalismus ein. Mahatma Gandhis Rolle in der friedlichen Unabhängigkeitsbewegung hat ebenfalls ihren Platz. Nun kann sich der Leser an großen, meist schwarzweißen, Bildern erfreuen. Panoramafotographien von Städten und Palästen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, lassen einem das prunkvolle Leben der damaligen Herrscher erahnen. Eindrucksvoll entfaltet sich der größte Steinturm Indien, das Qutub Minar in Delhi, vor den Augen des Lesers auf 30 x 90 cm! Anhand der kurzen Texte neben den Bildern lernt man beiläufig, daß Benares (heute: Varanasi) der am längsten kontinuierlich bewohnte Ort der Welt ist. Imposant ist die hohe Architektur-Kunst, die sich in unzähligen Bildern wiederfindet, seien es riesige Paläste, Mausoleen mit geschwungenen Türmen oder Denkmäler. Alltägliche Bilder finden sich ebenfalls, die man aber auch aus anderen Büchern schon kennt, z.B. Schlangenbeschwörer, Strasseneinblicke und Menschen bei ihren täglichen Handlungen. Aber nicht oft sieht man in anderen Büchern das Zusammentreffen vom berühmten Physiker Einstein und dem indischen Universalgenie Rabindranath Tagore auf einem Foto festgehalten.

Indien Jetzt:
Die Skyline von Mumbai auf 30x90 cm holt den Betrachter zurück in das 21. Jahrhundert. Vir Sanghvi, Herausgeber der Hindustan Times, beschreibt seine Empfindungen gegenüber Indien in den 1970’er Jahren, als er auf ein Internat in England kommt. Er geht auf die nationale Politik der 80’er Jahre ein, auf das Fallen der Kartelle und Monopole in den 90’er Jahren und das Thema Bevölkerungsexplosion. Die hohe Geburtenrate Indiens, die einst im Land für Zukunftsangst sorgte, stellt sich mittlerweile als die große Hoffnung des Landes dar. Die jungen Inder bilden mittlerweile eine wirtschaftliche Elite aus gutausgebildeten Menschen. Niemand fürchtet mehr Hungersnöte wegen steigender Bevölkerungszahlen, denn die Inder können sich mehr leisten als jemals zuvor, wenn auch nicht jeder im Land davon profitiert.
Thematisiert wird auch der Wandel in der Akzeptanz der größten Filmindustrie auf dem Subkontinent: Bollywood. Eigene Fersehformate und der riesige Inlandsmarkt für eigene Spielfilmproduktionen sorgt dafür, daß die amerikanische Popkultur ein schweres Los hat und ausländische Fernsehsender nach Jahren der Pleiten auf inländische Inhalte umsteigen. Auch in diesem Teil des Buches wird nicht mit tollen Bildern gespart: Die Stadt Ladakh „Klein Tibet“ vor dem imposanten Himalaya Gebirge beeindruckt nicht weniger als die „Republic Day“-Parade in Delhi. Mein Lieblingsbild: Zwei Elefanten auf LKW- Ladeflächen, die sich auf einer geschäftigen Strasse in Mumbai mit ihren Rüsseln begrüßen. Toll werden die Momente in Leben der Menschen eingefangen, wo Moderne und Tradition aufeinander treffen. Bilder, die man nicht beschreiben kann, sie sagen mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte.

Für mich gehört es zu den Büchern, in denen man bei jeder Betrachtung noch mehr entdecken kann, gerade weil Bilder soviel sagen können. Die Einführungen sowohl im ersten als auch im zweiten Teil halte ich für sehr gelungen. Mit dem stolzen Preis von 50 Euro ist es kein Buch für jeden Geldbeutel. Aber mit seinen 120 schwarzweiß Bildern 105 Farbfotos, sowie fünf handcolorierten Aufnahmen wird dem Leser hierfür auch einiges geboten.

 

Rawi Nagpal
Rezension online seit 21.11.2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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