von:
Kaavya Viswanathan
Stilrichtung: Roman
Taschenbuch Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Little, Brown (4/2006)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 075153742X
ISBN-13: 978-0751537420
Rezension von: Vera Schwallbach für Happyindia.de
User Rezension
"How Opal Mehta got kissed, got wild and got
a life" ist ein Roman über das Erwachsenwerden, geschrieben
von der 18-jährigen Harvardstudentin Kaavya Viswanathan, vermutlich
ziemlich autobiographisch angehaucht. Opal Mehtas indische Eltern
haben ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, dass ihre Tochter später
einmal in Harvard studieren soll. Sie sind deswegen sogar nach Amerika
gezogen.
Das Buch beginnt, als Opal 17 und in der letzten Klasse der High School
ist und ihr erstes Aufnahmegespräch in Harvard hat. Akademisch
gesehen ist sie brillant. Aber als der Dekan sie fragt, was sie denn
so zum Vergnügen in ihrer Freizeit macht, ob sie gute Freunde
hat, etc., gerät Opal in Verlegenheit. Sie hat eigentlich keine
Freunde und sie macht nichts zum Spaß - auch ihre außerschulischen
Aktivitäten sind darauf ausgerichtet. in ihrem Lebenslauf einen
guten Eindruck zu machen. Doch in Harvard will man Persönlichkeiten,
keine Lernroboter. Opal ist verzweifelt, aber ihre Eltern sehen kein
Problem: der alte Plan, HOWGIH (How Opal will get into Harvard) wird
jetzt ersetzt durch HOWGAL (How Opal will get a Life) und generalstabsmäßig
durchgeführt. Mit extrem erheiternden Ergebnissen. Das heißt
für den Leser, Opal wird im Endeffekt eher unglücklich dadurch.
Es werden Flipcharts mit Zielen beschriftet: das
erste ist, zu den populären Mädchen zu gehören, in
diesem Fall zu den Haut Bitchez, kurz HBz. Das zweite Ziel ist es,
geküsst zu werden und zwar von Jeff Akel, dem Präsidenten
des Schülerparlaments, für den Opal heimlich schon seit
langem schwärmt. Das dritte ist es, "to get wild",
was immer man darunter versteht, was Familie Mehta auch nicht so ganz
klar ist.
Jetzt sieht die Familie sich gezielt populäre
Fernsehserien an, Opal wird mit den schicksten Designerklamotten ausstaffiert,
bekommt von Friseuren und Make-up-Künstlern einen neuen Look
verpasst (Geld scheint bei Familie Mehta keine Rolle zu spielen),
es werden Jugendzeitschriften gelesen, Musikvideos angeschaut, etc.,
die ganze Familie ist im Einsatz.
Zuerst läuft alles ziemlich erfolgreich nach Plan und Opal ist
stolz auf ihren Erfolg. Allerdings amüsiert sie sich auch jetzt
nicht wirklich, das Ganze ist eher ein Pflichtprogramm für sie.
Inzwischen ist sie einem anderen Jungen aus ihrem Jahrgang, Sean,
etwas näher gekommen, merkt aber gar nicht, dass sie sich allmählich
in ihn verliebt, weil sie immer noch Jeff Akel hinterher jagt. Der
Höhepunkt ist dann eine wilde Party im Haus der Mehtas, zu der
alle Mitschüler gerne kommen, denn Opal gilt inzwischen als angesagt.
Sie trinkt zum ersten Mal Alkohol (dummerweise mehr, als ihr Vater
für sie als verträglich ausgerechnet hat - das läuft
nicht nach Plan), tanzt auf dem Küchentisch (=gets wild) und
küsst … Sean.
Von da an geht's bergab, denn durch einen dummen Zufall kommt heraus,
dass Opal das alles nur getan hat, um in Harvard angenommen zu werden,
und das wird in der gesamten Schule bekannt. Alle fühlen sich
benutzt und manipuliert, vor allem Sean.
Es folgt eine traurige Phase für Opal, in der sie ein totaler
Außenseiter ist. Ihr wird klar, dass sie viele Menschen verletzt
und vor den Kopf gestoßen hat. Deswegen bekommt sie sogar Streit
mit ihren Eltern, weil die sie so unter Erfolgsdruck gesetzt haben.
Wie wird das enden? Wird Opal in Harvard angenommen? Wird sie glücklich
werden?
Das Witzigste an diesem Buch sind die Eltern und ihre ständig
neuen Pläne und Kampagnen, die bereit sind, verinnerlichte indische
Wertvorstellungen für ihr Ziel über den Haufen zu werfen.
Ein größtenteils amüsantes, zum Teil aber auch trauriges
Buch. Ich habe viel gelacht, habe aber auch mit Opal mitgelitten.
Nachtrag: Ich habe festgestellt,
dass dieses Buch nicht mehr veröffentlicht wird, weil Plagiatsvorwürfe
dagegen erhoben wurden. Angeblich hat Viswanathan einige Passagen
wortwörtlich aus einem Buch von Megan McCafferty übernommen.
Mir ist das naturgemäß nicht aufgefallen, da ich McCaffertys
Bücher nicht kenne. Viswanathan selbst behauptet, ein fotografisches
Gedächtnis zu haben und nicht bewusst abgeschrieben zu haben.
Nachzulesen unter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22673/1.html
Ich finde das Buch trotzdem empfehlenswert.
Vera Schwallbach
Rezension online seit 29.06.2007
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