 Autor:
Hasnain Kazim
Stilrichtung: Roman
Taschenbuch: 260 Seiten
Verlag: DTV (9/2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423247398
ISBN-13: 978-3423247399
Rezension von: Vera Schwallbach für Happyindia.de
User Rezension
Hasnain Kazim wurde 1974 in Oldenburg geboren und
wuchs mit einer kleineren Unterbrechung in dem Dorf Hollern-Twielenfleth
im Alten Land auf. Zu der Unterbrechung kam es durch eine vorübergehende
Ausweisung der Familie. Als Kind waren ihm die Schwierigkeiten, die
seine Eltern zu meistern hatten, gar nicht bewusst gewesen. Erst vor
wenigen Jahren begann er, die Familiengeschichte aufzuarbeiten und
die Zusammenhänge zu verstehen.
Seine Eltern stammen beide aus muslimischen Familien
aus Nordindien, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Karatschi im
heutigen Pakistan gezogen sind - die Familie der Mutter schon vor
der Teilung Indiens, die Familie des Vaters aufgrund der Teilung.
Die Ehe der Eltern war eine arrangierte Ehe, die beiden kannten sich
vorher kaum, aber offensichtlich passen sie gut zusammen. Beide hatten
den Drang, in die weite Welt hinaus zu ziehen. Vor der Heirat hatte
die Mutter, Nasreen, den Traum gehabt, Stewardess zu werden - und
das Ziel ihrer Wünsche waren immer die USA. Der Vater, Hasan,
hatte einen älteren Bruder der Pilot und sein Vorbild war. Aber
Hasan wollte nicht genau das Gleiche machen wie sein Bruder. Als sein
Vater eines Tages in der Zeitung zufällig eine Stellenanzeige
der deutschen Hansa-Reederei entdeckt, und ihn darauf aufmerksam macht,
erscheint ihm das als Wink des Himmels. Er bewirbt sich, wird angenommen
und kann kurz darauf anheuern. Nun fährt er zur See, lernt die
ganze Welt kennen, arbeitet mit deutschen Kollegen zusammen und verbringt
auch immer wieder Zeit in Deutschland. Allmählich dient er sich
hoch vom Kadetten zum Offizier. In Karatschi auf die Urlaube ihres
Mannes zu warten, wie es die Schwiegereltern vorgeschlagen hatten,
entspricht überhaupt nicht Nasreens Vorstellungen; sie ist froh,
endlich ins Ausland zu kommen, und sieht Deutschland nur als einen
Umweg in die USA an.
Zuerst lebt die Familie bei den Schwiegereltern eines
deutschen Kollegen, ihrer "Patenfamilie", von der sie liebevoll
und freundlich aufgenommen werden. Dann, als feststeht, wo die Kurse
stattfinden sollen, an denen Hasan teilnehmen muss, um das Kapitänspatent
zu erwerben, verschlägt es sie ins Alte Land. Auch hier treffen
sie auf freundliche Nachbarn, so dass sie sich schnell heimisch fühlen
- in der Tat wird das kleine Dorf zu ihrer gefühlten Heimat.
Leider macht die Bürokratie in dieser neuen Heimat ihnen das
Leben zur Hölle - es wird ein langer Kampf gegen Ausweisung,
um Duldung und schließlich Einbürgerung: Sechzehn Jahre
später! Hasnain Kazim schildert diesen Kampf und seine Verwunderung
über die Ausdauer seiner Eltern, die nach einer Weile unbedingt
in Deutschland bleiben wollten und nicht den leichteren Weg wählten,
nach England oder in die USA einzuwandern. Er versucht zu ergründen,
warum das so war.
Beim Lesen ist man als Deutscher beschämt über
die Haltung der deutschen Behörden und wie sie die Familie behandeln,
obwohl Hasan ja eine gute Arbeit hat (von der Reederei wird immer
wieder bestätigt, dass man ihn braucht). Die Familie liegt dem
deutschen Staat also keineswegs auf der Tasche. Erfreulich dagegen
sind die vielen netten Menschen, die die Kazims ohne Wenn und Aber
in ihrer Mitte aufgenommen und sich sehr für sie eingesetzt haben.
Dank der tatkräftigen Hilfe einer großen Anzahl von Freunden
konnte die Einbürgerung schließlich durchgesetzt werden.
Es macht Spaß, diesem aufgeschlossenen jungen
Paar und seiner Geschichte zu folgen. Man erfährt auch viel über
Indien/Pakistan, über dortige Sitten und Gebräuche, aber
vor allem ist es die Geschichte von zwei ungewöhnlichen Menschen,
eine Geschichte, wie das Leben sie schrieb, unterhaltsam und anrührend.
Sehr zu empfehlen, besonders da es um Deutschland geht und die meisten
Einwanderungsgeschichten sonst von anderen Ländern handeln.
Vera Schwallbach
Rezension online seit 26.09.2009
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