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Glitzernacht

von: Shobhaa De
Übersetzt von:
Uschi Gnade
Stilrichtung:
Roman
Gebundene Ausgabe:
360 Seiten
Verlag: DTV (Deutsche Erstausgabe: 10/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN: 3-423-24567-0
Rezension von: Maren Schrobar für Happyindia.de

 

 

User Rezension

„Shobhaa De schockt Indien wie keine andere Autorin“, so die New York Times. Das mag sein, aber schockierend ist leider nicht gleichbedeutend mit gut. Obwohl ich persönlich dem Buch nicht all zuviel abgewinnen kann, ist „Glitzernacht“ in Indien jedoch ein Bestseller und die Frage nach dem „Warum“ nicht ganz uninteressant.

Shobhaa De will die „wahren Geschichten des Showbiz“ aufdecken und „Sex aus weiblicher Sicht“ zeigen. Beides ruft beim westlichen Leser (zumindest bei mir) eher ein Gähnen hervor. Warum Shobhaa De in ihrer Heimat aber die kommerziell erfolgreichste englischsprachige Autorin ist, erklärt sich erst durch den Kontext. Für Indien hat die sogenannte „princess of porn“ immerhin eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Vom Modell wurde sie zur Fernsehmoderatorin und schließlich zur Chefredakteurin von „Stardust“. Sie trennte sich von ihrem Mann (angeblich aus Langeweile, u.a. im Bett) und ließ auch die gemeinsamen Kinder bei ihm, eine Handlungsweise, die in Indien noch immer nicht gern gesehen wird. Liest man in der deutschen Presse über Shobhaa De, so wird sie als Kämpferin für die Frauenrechte beschrieben. Möglicherweise gehen ihre Beziehungsratgeber oder die aus ihrer Feder stammende Seifenoper „Swabhimaan“ (Selbstvertrauen) eher in diese Richtung: In der Serie geht es um eine Frau, die sich mit zwei unehelichen Kindern im konservativen Indien durchschlägt. In ihrem Roman „Glitzernacht“ allerdings kann ich derartige positive Tendenzen in Richtung weibliche Emanzipation nicht erkennen. Worum es hier im Ganzen geht, ist schnell gesagt: Um Aufstieg und Fall einer Bollywood-Schönheit und die dreckigen Spielchen hinter der Leinwand. Man glaubt es kaum, aber das wirkliche Leben ist kein Bollywood-Streifen.

Die Heldin des Romans ist die Schauspielerin Aasha Rani, die als junges Mädchen von ihrer ehrgeizigen Mutter ins Filmgeschäft gedrängt wird. Um dort erfolgreich zu sein, muss sie sich zunächst einmal prostituieren, unter der Aufsicht ihrer Mutter und ihres ersten Produzenten, die sie munter an sämtliche wichtige Männer der Branche weiterreichen. Die Gefühle des jungen Mädchens erfährt man dabei nicht wirklich, der Leser lernt Aasha Rani als bereits bekannte Schauspielerin kennen. Überhaupt bleibt das Handeln der Heldin zumindest für mich weitgehend unmotiviert. Wenn sie sich eben überlegt, etwas nicht zu tun, macht sie es im nächsten Moment doch. Sie will nichts von dem Mann, der sie im Flugzeug angräbt, und vergnügt sich wenig später mit ihm lustig im Flugzeug-WC (wie das in diesem beengten Kabuff funktionieren soll, wird nicht näher erläutert.) Nach ihrem Ausstieg aus der harten Welt des Showbiz will sie auf keinen Fall zurück nach Indien – und fliegt schließlich nicht nur wieder in ihre alte Heimat, sondern versucht sogar ein Comeback als Schauspielerin. Es gibt schlicht keine positiven Figuren im Buch, mit Ausnahme der kleinen Tochter Aasha Ranis. Ansonsten sind alle verlogen, hinterhältig, feige, schwach und untreu. Wie Aasha Rani letztendlich die Kurve kriegt, ist mir irgendwo auf den letzten Seiten entgangen.

Shobhaa De schreibt nach eigener Aussage „keine Dritte-Welt-Stories“. Darin liegt vielleicht für viele auch der Reiz von „Glitzernacht“: Wer will schon Geschichten über das Leben und die Probleme gewöhnlicher Menschen lesen – gewöhnlich ist man schließlich selbst! „Glitzernacht“ hingegen ist pure Unterhaltung aus der Welt der Reichen und Schönen, Geld, Sex, böse Machenschaften und Intrigen eingeschlossen.

Maren Schrobar
Rezension online seit 13.12.2006