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Der Guru im Guavenbaum

von: Kiran Desai
Übersetzt von:
Anette Grube
Stilrichtung:
Roman
Broschierte Ausgabe:
251 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (11/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3833304685
ISBN-13: 978-3833304682
Rezension von: Sabine Adatepe für Happyindia.de

 

User Rezension

Ein Feuerwerk der Phantasie und Erzählkunst! Desais Debütroman ist eine spritzige Erzählung über die Mischung aus Hang zur Mystik und handfestem Pragmatismus, die die indische Gesellschaft auszeichnet, wie vielleicht wenig anderes, unter widrigsten Umständen das Überleben sichert und immer wieder bizarre Blüten treibt. Über Gurus gibt es viele Geschichten, hier ist eine besonders witzige, die trotz oder gerade wegen aller Situationskomik erstaunlich plausibel wirkt:
Sampath ist der missratene Sohn der Familie Chawla in Nordindien, unfähig zu lernen und einen Job vernünftig auszufüllen, bis er mit zwanzig davonläuft und sein Glück auf einem Guavenbaum sucht - und findet. Er ist froh, der Stadt und den Menschen entronnen zu sein, in Freiheit auf einem Baum sitzen zu dürfen und nur ab und an seinen immer zahlreicher werdenden Besuchern geistreiche Sprüche und Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben.

Nach anfänglichem Unwillen stellt die Familie sich darauf ein, zieht in das Wächterhäuschen am Rand der ehemaligen Obstplantage und beginnt, den Sohn zu vermarkten. Ammaji ist glücklich, weil sie ihre Kindheit wieder auferstehen sieht, Mr. Chawla ist glücklich, weil er ein Riesengeschäft macht, die schon immer etwas verrückte Mrs. Chawla ist glücklich, weil sie ihren Ess- und vor allem Kochgelüsten hier nach Belieben nachgehen kann. Nur Tochter und Schwester Pinky ist unglücklich, weil sie so nicht mehr über den Markt flanieren und flirten kann. Dafür verknallt sie sich in den Eisverkäufer Hungry Hop, nachdem der das Gebiss der Großmutter vor dem Kino-Affen gerettet hat.
Die Affen: Sie sind es, die diese Idylle schließlich ins Wanken bringen. Endlich sollen sie eingefangen werden, doch am Tag X überschlagen sich die Ereignisse – am Ende landet im Kochtopf von Mrs. Chawla, die den Sud für einen fetten Affenbraten ansetzte, eine Beute ganz anderer Art.

Ob es dem Spion der Atheistischen Gesellschaft doch noch gelingt, Sampath als falschen Guru zu entlarven, bleibt offen.
Eine wunderbare Satire, humorvoll und klug zugleich!

Sabine Adatepe
Rezension online seit 13.03.2007