/Buchrezensionen/Der Duft der Farben

Der Duft der Farben

von: Preethi Nair
Originaltitel: Beyond Indigo
Übersetzt von: Karin Dufner
Stilrichtung:
Roman
Gebundene Ausgabe:
384 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426197553
ISBN-13: 978-3426197554
Rezension von: Sabine Adatepe für Happyindia.de

 

User Rezension

Alle Welt ruft nach Vorbildern für junge Migranten, denen der Aufstieg aus der eigenen Community in die Gesellschaft des Einwanderungslandes gelang – hier ist eines, das zugleich den Vorteil hat, statt den Zeigefinger hervorzukehren, einfach eine spannende Geschichte munter zu erzählen.

Nina, Tochter indischer Einwanderer in London, ist erfolgreiche Anwältin, spezialisiert auf Kunst und Künstler, um ihrer eigentlichen Leidenschaft zumindest auf diese Weise nahe zu sein. Die Eltern sind stolz auf die arrivierte Tochter, doch, so muss Nina bald enttäuscht feststellen, nicht wirklich an ihr interessiert. Dem Vater gilt nur ihr Renommee und das gute Geld, das sie verdient. Die Mutter legt ihr Mappe um Mappe von Kandidaten für eine standesgemäße, vorteilhafte Heirat vor. Nina liebt Jean Michel, traut sich aber nicht, den Eltern einen Nichtinder zu präsentieren.
Eine Welt des schönen Scheins – die jäh zerbricht: Nina verliert den Geliebten, gibt Knall auf Fall den Job auf – die Eltern ahnen nichts, freuen sich nur, dass sie endlich bereit ist, sich mit einem Heiratskandidaten zu treffen: Steuerberater Raj, der sich Wissen und Persönlichkeit aus Ratgebern zusammenliest. Brave Tochter und potenzielle Schwiegertochter von Raj' Highsociety-Familie auf der einen Seite, unkonventionelle, leidenschaftliche Malerin auf der anderen – Nina beginnt ein Doppelleben, von dem die jeweils andere Seite nichts ahnt. Kreativität erfordert Mut – Matisse' Motto wird ihr eigenes.

Noch im Schmerz um den Verlust der besten Freundin Ki, signiert sie die Bilder "für Ki": FOR U KI. Die Ereignisse überstürzen sich, als "Forukis" Bilder überraschend Erfolg haben, Nina in Eventmanager Michael den Mann ihres Lebens kennen lernt und die ahnungslosen indischen Mütter in Windeseile ihre Großhochzeit mit Raj organisieren. Der japanische Gemüsehändler wird als Dummy herangezogen, als Foruki von Kunstmäzen Tastudi protegiert und für den Turner-Prize vorgeschlagen wird. Einmal in die Unsicherheit einer Künstlerexistenz getaucht, hat Nina noch einige Hindernisse zu überwinden, bis sie auf dem Weg zu sich selbst Anerkennung findet.

Der Weg zur eigenen Identität zwischen Erwartungen eines ebenso traditionellen wie ehrgeizigen Elternhauses und dem Leitbild von Emanzipation und individueller Selbstverwirklichung in Medien und Schule ist steinig, doch Preethi Nair zeigt einmal mehr, dass es sich unbedingt und immer lohnt, ihn zu gehen. Nina ist ein Teil der jungen Autorin selbst: Preethi Nair, 1971 in Kerala geboren, als Kind mit der Familie nach England gekommen, brach aus einer gut dotierten, "sicheren" Existenz als Unternehmensberaterin aus, um schreiben zu können. Ihr erstes Buch Gypsy Masala verlegte sie selbst, ehe der Durchbruch kam – und ihre Familie von der Doppelexistenz erfuhr. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie Ninas Zweifel und zähes Ringen, ihre Einsamkeit an der Wende vom vorbestimmten, anerkannten Karriereweg zur eigenen Leidenschaft und wahren Identität schildert.
Preethi Nair erweist sich auch in diesem, bisher persönlichsten Buch als meisterhafte Erzählerin, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, überzeugt und noch angesichts haarsträubendster Verwicklungen den Humor nicht verliert.

Sabine Adatepe
Rezension online seit 06.05.2007

Games bei Hitmeister 100% sicher verkaufen

www.ticketonline.com