| Autor:
Shashi Tharoor
Übersetzt von: Peter Knecht
Stilrichtung: Roman
Gebundene Ausgabe: 413 Seiten
Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 1 (8/2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458173129
ISBN-13: 978-3458173120
Rezension von: Peddy und Vera Schwallbach für
Happyindia.de
User Rezension 1
Das
Buch handelt von Ashok Banjara, Sohn des Ministers für Textilproduktion.
Zum Ärger seines Vaters entscheidet sich Ashok für die Schauspielkarriere.
Und er ist sogar ziemlich erfolgreich dabei. Doch bald kriselt es
im Privatleben des neuen Stars aus Bollywood.
Er schlägt sich mit dem Problem rum, was er mit seinem ganzen
Schwarzgeld machen soll. Ganz nebenbei hat er auch noch eine Affäre
nach der anderen.
Aus einer Laune herraus entscheidet sich Ashok doch ein Amt in der
Politik zu Besetzen. Doch das war ein Fehler. Durch einen Parteispendenskandal
gerät Ashoks gutes Image leider völlig in den Keller.
Von da an taugt Ashok nur noch zu unwichtigen Rollen. In diesem Buch
beschreibt Shashi Tharoor sehr lebendig wie schnell es hinter den
Filmkulissen zum Fall kommen kann.
Dieses Buch sprüht geradezu vor Lebendigkeit. Für jemanden
der nun allerdings ein Buch über Shah Rukh Khan erwartet hat,ist
es völlig verkehrt. Dieses Buch bringt dem Leser einen wundervollen
Einblick hinter die Kulissen von Bollywood.
Hier wird einem fast bildlich gezeigt, wie es wirklich
zu geht in der Welt des Filmes. Mit vielen tollen Songtexten und bunten
Szenen. Nicht nur die schönen Seiten werden schonungslos dargestellt.
Man kann wunderbar mit erleben wie es einem Schauspieler in Indien
ergehen kann.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich
für das Geschehen rund um Bollywoods Filmindustrie interessiert.
Das Buch ist wunderbar geschrieben, so dass man das Gefühl bekommt
wirklich dabei zu sein.
Sehr Empfehlenswert
Peddy
Rezension online seit 13.11.2006
User Rezension 2
Shashi Tharoors 'Bollywood' ist wie 'Glitzernacht'
von Shobha De schon ziemlich alt - geschrieben 1992 unter dem Titel
"Show Business" - und wird jetzt im Zuge des Bollywoodbooms
hier bei uns vermarktet. Nichtsdestotrotz liest es sich hervorragend
- es ist ganz eindeutig ein Schlüsselroman über die Geschichte
von Amitabh und Jaya Bachchan und Rekha, obwohl Amitabh und Jaya sogar
einmal als reale Personen erwähnt werden. Der Protagonist heißt
Ashok Banjara und seine Frau, die auch Schauspielerin ist, ihre Karriere
aber bald nach der Heirat aufgibt (!), heißt Maya.
Der Autor benutzt den Kunstgriff, immer wieder Kapitel
einzuschieben, in denen er fiktive Drehbücher von Filmen erzählt
- einfach herrlich! Ein Drehbuch wird zweimal vorgestellt: beim ersten
Mal so, wie die Heldin es sich vorgestellt hat, beim zweiten Mal so,
wie es auf Wunsch der zweiten Heldin massiv geändert wurde. Die
Handlung ist natürlich eine andere, aber es ist klar, dass auf
SILSILA angespielt wird, den Film, in dem Amitabh, Jaya und Rekha
sich quasi selbst gespielt haben. Der erfahrene Bollywoodfan muss
häufig wissend schmunzeln, vieles kommt einem ungeheuer bekannt
vor.
Das Buch ist besser geschrieben und weniger trashig
als das von Shobha De (die eventuell auch vorkommt - da gibt es eine
Filmjournalistin namens Cheetah, deren Kolumnen oft zitiert werden
und Shoba De war ja die Gründerin und jahrelange Chefredakteurin
von STARDUST), dafür aber um einiges boshafter. Und so etwas
liest sich ja bekanntlich besonders amüsant. Es fehlt nichts
aus Amitabh Bachchans Lebensgeschichte: die Erwähnung, dass er
groß und schlaksig ist und nicht besonders gut tanzen kann,
dass er seinen Durchbruch erst hatte, als er vom romantischen Liebhaber
zum Actionhelden umgesattelt ist, die kurze, skandalträchtige
politische Karriere, der schwere Unfall mit dem das Buch endet und
den es im realen Leben bei den Dreharbeiten zu COOLIE im Jahre 1983
gab. Danach endete auch die Affäre mit Rekha.
Ein weiterer Kunstgriff des Autors ist es, die Personen aus Ashok
Banjaras Umfeld in Monologen zu Worte kommen zu lassen (wie einem
dann nach einer Weile klar wird, sitzen sie auf Anraten des Arztes
dabei an Ashoks Krankenbett und sollen mit ihren Monologen versuchen,
ihn aus seinem Koma herauszulocken), so dass man die Situation aus
vielfältigen Perspektiven kennen lernt.
Zwischendurch hatte ich mal einen kleinen Hänger
(als es um Ashoks politische Karriere ging, die in einem Finanzskandal
endet, auch das wie im wirklichen Leben), aber im Großen und
Ganzen lasen sich die ca. 400 Seiten weg wie nichts, sehr spannend
und unterhaltsam und schon ein ziemlicher "Eye Opener",
der mir wieder einmal bewusst gemacht hat, wie idealisiert das Image
der Bollywoodschauspieler ist, das sie nach außen präsentieren.
Das oben erwähnte "Glitzernacht" -
ebenfalls ein Schlüsselroman - hat mir übrigens auch gut
gefallen. Ich weiß, dass es da andere Meinungen gibt. Okay,
die für indische Verhältnisse äußerst expliziten
Sexszenen hätten nicht unbedingt sein müssen, haben mich
aber auch nicht weiter gestört. Ansonsten fand ich den Roman
jedoch durchaus interessant, und bei meinen Internet-Recherchen ist
mir klar geworden, dass es sich bei der Protagonistin eindeutig um
Rekha handeln muss - ihre Biographie passt.
Vera Schwallbach
Rezension online seit 29.06.2007
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