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Mit einem lauten Knall nimmt Bollywood mit D:2 (Dhoom2)
den direkten Kampf um die weltweite Zuschauergunst gegen der übermächtigen
Konkurrenz aus Amerika auf. Ein
visueller Hochgenuß, auf den man insgeheim gehofft, aber nicht
wirklich geglaubt hat.

Die Zeiten, als indische Produktionen für den
Asiatischen Markt und für die indischen Zuschauer im Westen gemacht
wurden, sind nun endgültig gezählt. Mit diesem Sequel tritt
Yash Raj Productions selbstbewußt in die Domäne Hollywoods
ein: Action!
Endlich nutzt man das im eigenen Land vorhandene
Potenzial, da kann ich nur aufatmen. Special Effects sind das ureigene
Spielfeld der Amis, weiss doch jeder. Wahr ist aber auch, dass immer
mehr der anspruchsvollen Effekte Hollywoods auf indischem Boden mit
indischen Arbeitskräften entstehen, weil sie weniger Kosten.
Aber Bollywood hat sich davor gescheut in dieses Feld einzusteigen.
Zaghafte Versuche wurden unternommen, teils mit tollen Resultaten,
wie in Dhoom und Krishh, teils handwerklich miserabel. Lieber keine
Beispiele dafür, ihr kennt sie alle, die Liste wäre zu lang.
Das Dhoom Sequel steht für das starke Selbstbewusstsein der Studios,
dass sich besonders durch Bollywoods finanzielle Erfolge im Ausland
entwickelt hat. Und noch eins wird offensichtlich: Mumbai entdeckt
nicht nur die Zugkraft einer vorhandenen starken Marke und formt sie
in Sequels, sondern ist in 2006 auch noch äußerst erfolgreich
dabei, diese Marke zu pflegen.
Für gewöhnlich bin ich vorsichtig bei Vergleichen
von Hollywood und Bollywood, aber nachdem ich Dhoom 2 im Kino gesehen
habe, konnte ich nicht glauben, dass Indische Studios jetzt schon
soweit sind. Solche Handfertigkeiten habe ich im Laufe der nächsten
zwei bis drei Jahren erwartet, aber auf dem Subkontinent entwickelt
sich scheinbar nicht nur das Wirtschftswachstum rasant.
Performances:
Aishwarya Rai
verkauft sich relativ gut und überzeugend und bildet ein Gegenpol
zu Hrithik, der vor Coolness nur so strotzt. Sie ist die einzige,
deren Charakter nicht eindeutig zu Gut oder Böse zurechenbar
ist.
Hrithik Roshan
entwickelt sich zum Allrounder. Die Rolle bietet ihm die Möglichkeit
sein Können unter Beweis zu stellen, und er nutzt sie ausgezeichnet.
Soviel Coolness beanspruchen sonst nur Tom Cruise und Sylvester Stallone
für sich. Die Filmpreise winken schon.
Abhishek Bachchan
ist ebenfalls sehr überzeugend. Nur leider finde ich, schränkt
ihn die Rolle zu sehr ein. Er sollte es einfach mit einpaar Negativrollen
versuchen, so gut wie in Yuva war er nie wieder - meiner Meinung nach.
Bipasha Basu
macht mit ihrem Sex-Appeal die fehlende Herausforderung ihrer Rolle
mehr als wett. Kaum eine andere Schauspielerin weiss ihre Vorzüge
so gut einzusetzen. Der zweite Grund in diesem Film, warum mehr Männer
in Deutschland sich zu Bollywoodfans entwickeln könnten.
Uday Chopra
schlägt die Brücke zum ersten Teil. Die Komikrolle macht
ihm keiner so leicht streitig. Wieso ist er eigentlich nicht öfters
auf der Leinwand zu sehen? Regisseur Sanjay Gadhvi jedenfalls scheint
mit ihm Glück zu haben, denn unter seiner Regie ist es Udays
dritter erfolgreicher Film nach 'Mere Yaar Ki Shaadi Hai' und 'Dhoom'.
Stärken und Schwächen des Films
Da ich selbst kein großer Fan von Filmrezensionen
bin, vor allem wenn ich selbst noch vor habe den Film zu sehen, gehe
ich mal auf den Inhalt nur oberflächlich ein.
Zur eindeutigen Stärke gehört die Verbindung
von Action mit bunten Tanz und Gesangseinlagen. Man hat viel von Hollywood
gelernt und zu den eigenen Stärken hin zu addiert. Es ist offensichtlich,
dass das oft belächelte Bollywood den Westen zeigen will, wieviel
Potenzial vorhanden ist. Die indischen Heldinnen strahlen schöner
und ihre sexuellen Anspielungen sind geheimnisvoller. Die Helden punkten
nicht nur mit waghalsiger Action, sondern bestechen mit Tanzchoreografien,
die in Hollywood nur etwas in Tanzfilmen verloren haben.
Eine kleine Schwäche hat der Film schon: den
Soundtrack. Ein bombastischer Ohrwurm, wie im ersten Film wird zwar
nicht am laufenden Band kreiert, aber etwas vielseitiger und weniger
Englisch hätten die Lieder schon sein können.
Was Bollywood besser macht als Hollywood
Dieses Jahr überraschen Sequels Made in Bollywood
bei ihren Chartplatzierungen.
Die Kunst eine schöne Liebesgeschichte zu erzählen
wird mit Science Fiction/Komödien besser zusammengebracht denn
je.
Bollywoodfilme können herrlich irreal sein und
ihre Protagonisten haben die Freiheit, allzeit aus der Erzählung
zu entfliehen, um zu Singen und zu Tanzen - und es tut dem Genuss
keinen Abbruch, Hollywood kann das nicht.
Bollywood bringt die Romantik zurück, die die
Menschen im Westen ihrem Egoismus und ihrer 'Freiheit'-wegen schon
geopfert haben und jetzt wieder zu schätzen lernen.
Die Aufholjagd mit Hollywood ist im Gange und man
hat vom großen Bruder viel gelernt, jetzt erlauben die Budgets
auch denn Wettlauf in den selben Kategorien, wenn auch nicht auf Augenhöhe.
Rawi, 30.11.'06 |