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My Name is Khan Stars auf der Berlinale 2010

Bollywoods Traumpaar auf der Berlinale 2010

-Über das Fenster zum Westen, bedingungslose Liebe und einen Hurrikan-

Bei eisigen Temperaturen brachten Shah Rukh Khan, Kajol und Karan Johar am Wochenende bei der Berlinale viele Herzen zum Glühen. Zahlreiche Fans hatten stundenlang am Roten Teppich ausgeharrt, um die indischen Filmstars live zu erleben. Belohnt wurden sie durch einen wie immer charmanten Shah Rukh Khan und eine bezaubernde, aber leicht frierende Kajol. „Die Liebe hält mich warm“, scherzte sie auf dem Roten Teppich mit Blick auf die Fans. Die Schauspielerin war in einem wunderschönen indischen Kostüm erschienen – barfuß auf high heels.

Um die Liebe dreht es sich auch beim neuen Film des indischen Erfolgstrios. „My name is Khan“ erzählt dennoch keine klassische Liebesgeschichte im Sinne der vorherigen Filme des Regisseurs Karan Johar. Es geht vielmehr um universelle Liebe und Menschlichkeit. Wer bei „My name is Khan“ also einen politischen Film über 9/11 erwartet, liegt falsch. Kino sollte vor allem gute Unterhaltung sein, so Shah Rukh Khan, der sich bei der Pressekonferenz dagegen wehrt, auf ein politisches Statement festgenagelt zu werden. Seinen Job als Schauspieler sehe er darin, die Menschen zum Lächeln zu bringen. „My name is Khan“ ist in der Tat ein sehr unterhaltsamer Film, Bollywood mit (fast) allem, was dazu gehört (Tanzszenen diesmal ausgenommen): Dramatik und Humor, Lachen und Weinen, schönen Bildern und einem Happy End. Es ist zugleich aber auch ein mutiger Film, der eine klare Botschaft vermittelt: Es gibt nur zwei Sorten von Menschen, gute und schlechte. „Niemand sollte nach seiner Religion, seiner Herkunft, seinem Aussehen beurteilt werden, und wir hätten eine bessere Welt“, so Shah Rukh Khan.

Stimmen aus der Berlinale 2010
Shah Rukh Fans zur Filmpremiere

Shah Rukhs besonderes Dankeschön

Um diese unschuldige, fast naive Weltsicht zu vermitteln, musste die Hauptfigur im Film eine besondere Person sein, die sich von anderen Menschen unterscheidet: Rizvan Khan leidet am Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus. Jeglicher Zynismus ist ihm fremd, Gefühle, die nicht ausgesprochen werden, kann er nicht erkennen, er ist ein ehrlicher und in gewisser Weise unschuldiger Mensch. Zur Vorbereitung auf die Rolle habe Shah Rukh Khan viel recherchiert, Bücher gelesen und natürlich auch Filme wie „Rain Man“ gesehen. Letztendlich aber kommt es bei „My name is Khan“ nicht darauf an, zu beurteilen, ob hier tatsächlich das Asperger-Syndrom (was sich kaum so einfach auf einen Nenner bringen lässt) realistisch wiedergegeben wird oder wie viele Parallelen der Film zu „Rain Man“ und „Forrest Gump“ aufweist – entscheidend ist, dass mit der Figur Rizvan Khan eine liebenswerte Persönlichkeit geschaffen wurde, die durch Shah Rukh Khan sehr gut verkörpert wird.

Dass der Film in den USA spielt, bedeute keineswegs, dass das Thema für Indien nicht relevant sei, erklärte Karan Johar der Presse. Das Problem, das der Film behandle, Diskriminierung und Vorurteile gegenüber Andersgläubigen, sei globaler Natur. Dies wäre nicht deutlich genug geworden, wenn der Film nur in Indien gespielt hätte. Manchmal schafft ja auch gerade die Distanz Klarheit beim Erkennen eigener Probleme.

Kurzes Fazit zum Film: „My name is Khan“ ist großartiges Bollywoodkino mit viel Dramatik, hinter der sich aber eine genauso einfache wie mutige Aussage verbirgt. Der Film hat teilweise einige Längen und eine haarsträubend konstruierte Story, die schließlich in einem Hurrikan kulminiert, bei dem Rizvan Khan zum Helden ganz Amerikas wird. Dadurch gelingt es ihm, endlich mit seiner Botschaft zum mittlerweile neuen US-Präsidenten Obama durchzudringen. Dieses übertriebene Szenario wird jedoch wettgemacht durch sehr gute schauspielerische Leistungen beider Hauptdarsteller (Shah Rukh Khan in seiner bisher besten Rolle; sehr eindrucksvoll auch Kajol als trauernde Mutter), schöne Bilder und einen gelungenen Soundtrack. „My name is Khan“ ist ein absolut sehenswerter Film und für jeden ein Genuss, der sich emotional darauf einlässt. Manch einer wird sich später wundern, wie unerwartet lange einem die Bilder und einzelne Szenen des Films auch im Nachhinein noch durch den Kopf gehen.

Die einzige Frage, die offen bleibt, ist die, wie der Film in den entsprechenden Völkern und Communities aufgenommen wird. Nach den Wellen der Empörung zu urteilen, die es in Mumbai bereits vor dem Filmstart gegeben hatte, dürfte dies spannend werden. In Berlin zumindest wurde der Film bei der Premiere im Berlinale-Palast vom Publikum begeistert gefeiert. Nicht umsonst erklärte Shah Rukh Khan, die Berlinale und Deutschland seien eine sehr gute Plattform, um das indische Kino einem westlichen Publikum näher zu bringen, sozusagen ein „Fenster zum Westen“.

 

Für die Fans etwas enttäuschend mag der Auftritt von Karan Johar und Kajol gewirkt haben. Vor allem Kajol, die man sonst aus Interviews als Energiebündel kennt, wirkte abgespannt und suchte kaum die Nähe zu den Fans. Ob dies der vorangegangenen kräftezehrenden Promo-Tour durch die USA, England und Abu Dhabi geschuldet war oder ob sie schlicht der Empfang der deutschen Fans überwältigte, sei dahingestellt. Shah Rukh Khan hingegen bemühte sich wieder redlich, all seinen Anhängern gerecht zu werden und überschüttete sie regelrecht mit Komplimenten. Nirgendwo auf der Welt werde er wärmer empfangen als in Deutschland, sagte er. Von `Fans` zu sprechen sei eigentlich falsch: „Das ist zu einseitig. Ich liebe sie genauso wie sie mich.“ Egal, wie kalt es draußen sei, er würde am liebsten jedem einzelnen die Hand schütteln und sich bedanken. Ganz konnte er diesem Anspruch zwar nicht gerecht werden, dennoch nimmt man ihm die Dankbarkeit ab, die er seinen Anhängern entgegenbringt. Zwar werden auch weniger publikumsnahe Filmstars verehrt, King Khan jedoch wird geliebt. Und dass, obwohl die meisten der Fans viel Geld verloren haben, als Khans Tanzshow „Temptation“ im vergangenen Jahr aus undurchsichtigen Gründen kurz vor Beginn abgesagt wurde. Die Fans sahen ihr Geld für die schon gekauften Tickets nie wieder – doch keiner von ihnen hegt deshalb einen Groll gegen Shah Rukh. „Bedingungslose Liebe bekommst du nur von deiner Mutter und von den deutschen Fans“, sagte Karan Johar bei der Premiere des Films. Und damit liegt er gar nicht so falsch.

 

Maren Schrobar, 15.2.2010

Online gestellt am 16.2.2010

Ein großes Dankeschön von der Redanktion an Maren für Ihre hervorragende Arbeit!