/Bollywood/Don 2 Pressekonferenz in Berlin

Berlin spielt Hauptrolle in DON 2

Shah Rukh Khan: Zu soft für einen echten Gangster

Die Pressefotografen und Journalisten im Berliner Friedrichstadtpalast werden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Von der Bühne leuchten riesige Projektionen, die Shah Rukh Khan und Priyanka Chopra in ihren Rollen als Don und Roma zeigen. Die Stars selbst sind jedoch noch nicht eingetroffen zur Pressekonferenz zum Dreh von DON 2 in Berlin. Als der Soundtrack von DON bereits zum fünften Mal aus den Boxen schallt, wird die Musik auf einmal lauter. Die Trommeln von „Mourya re“ donnern durch den Saal, die Fotografen heben ihre Kameras: Endlich – Shah Rukh Khan und seine Filmcrew stellen sich dem Blitzlichtgewitter.

Es ist schon eine kleine Sensation, dass mit DON 2 ein derart großes Bollywoodfilmprojekt in Berlin gedreht wird. 50 Drehtage sind vorgesehen, die Hauptstadt selbst wird zu einer der Hauptdarstellerinnen – wenn auch nur zur zweitschönsten neben Priyanka Chopra. Diese ist erst vor wenigen Tagen zum Dreh in Berlin eingetroffen und auch wenn sie von der Stadt noch nicht viel gesehen habe, sei sie von der spürbaren Energie, die sie ausstrahle, begeistert. Der perfekte Ort für den Dreh von DON 2 – so äußert sich Regisseur Farhan Akhtar über Berlin. Und auch Shah Rukh Khan macht der Stadt, die er nun endlich einmal bei Tageslicht erlebt, Komplimente; sie sei eine der schönsten Städte, die er je besucht hätte. Wer die Bilder seines Sprungs vom Park Inn am Alexanderplatz gesehen hat, würde sich wundern, wenn er nach dieser phänomenalen Aussicht etwas anderes gesagt hätte.

Dass DON 2 dazu beitragen werde, Berlin zum Reiseziel vieler Millionen Inder zu machen, davon ist Shah Rukh Khan überzeugt. „Ihr wisst nicht, worauf ihr euch eingelassen habt“, scherzt er. Eine bessere Werbung für Berlin als Shah Rukh Khan auf einem Sightseeing-Bus durch die Stadt fahren zu lassen, könne es kaum geben, so Burkhard Kieker von visitBerlin. René Gurka von Berlin Partner ergänzt, dass beide Seiten von dem Projekt profitierten. Neben der Werbung für Berlin als Tourismus- und Drehstandort wolle man das Bollywoodkino in Deutschland auf ein neues Level setzen und mehr deutsche Zuschauer erreichen. Inwieweit dies gelingt, wird sich beim deutschen Filmrelease zeigen, der für Februar 2012 geplant ist. Eine halbe Milliarde Zuschauer weltweit seien dem Film aber jetzt schon sicher, was für einen deutschen Produzenten in jedem Fall etwas sehr Besonderes sei, so Matthias Schwerbrock von Film Base Berlin, deutscher Ko-Produzent von DON 2.

Die Initiative, DON 2 nach Berlin zu holen, ging vom Medienboard Berlin-Brandenburg aus, das den Film mit über einer halben Million Euro fördert. Erste Gespräche mit dem indischen Produzenten Ritesh Sidhwani hat Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus bereits beim Filmfestival in Cannes geführt; nach weiteren Treffen in Mumbai und Gegenbesuchen in Berlin nahm das Projekt konkrete Züge an. „Die beiden größten Filmindustrien der Welt – Hollywood und Bollywood – in Berlin zu haben ist toll und ein großes Kompliment an die Stadt“, erklärt Kirsten Niehuus. Auch der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit freue sich sehr über das bisher einmalige Projekt und lade die indischen Gäste zur Eintragung ins Goldene Buch der Stadt ein.

Wie denn die vielgelobte Schönheit Berlins zum negativen Titelhelden des Gangsterbosses passe, will einer der Journalisten wissen. Don sei kein typischer Gangster, erwidert Shah Rukh Khan. Immer schon habe er einen richtigen Gangster spielen wollen, aber immer habe man ihm gesagt, dass er dazu ein viel zu weiches Äußeres habe. Don sei eine negative Figur, der Böse, ein Verbrecher und Mörder. Aber er tue alles mit einer großen Hingabe, mit einer großen Liebe zum Leben, und dadurch sei Berlin eine passende Kulisse. Hinter der dunklen Seite von Don verstecke sich eine Schönheit, die man erst entdecke, wenn man ihn kennenlerne. Ob der Film, immerhin ein Action-Thriller, Gelegenheit dazu bieten wird, Don näher kennenzulernen, ob die Figur ein Profil, eine Tiefe erhält, die sie im ersten Teil nicht besaß, bleibt offen.

Leider war dies so gut wie die einzige Information, die zumindest ein wenig auf den Film an sich einging. Auf weitere Details der Story werden die geneigten Zuschauer wohl noch eine Weile warten müssen. Vielleicht wäre es eine gute Idee, zum Abschluss der Dreharbeiten, die noch bis Ende November dauern, erneut eine Pressekonferenz zu veranstalten. Bis dahin hätte Shah Rukh Khan sicher noch andere Lieblingsorte in der Stadt für sich entdeckt als das Mandala Hotel, in dem es sich so wunderbar XBOX spielen lässt; bis dahin könnte auch Florian Lukas berichten, wie es denn nun ist, mit Shah Rukh Khan zu drehen und als Ermittler Jens Berkel hinter Don herzujagen; bis dahin hätten weitere Drehs an vielen einmaligen Locations stattgefunden, im Paul-Löbe-Haus, im Wassertank der Filmstudios Babelsberg, und die potentiellen Zuschauer wüssten endlich, ob es eine Tanzszene vorm Brandenburger Tor gegeben hat.

Neugier auf den Film machen die Dreharbeiten in Berlin allemal. Um aber auch ein deutsches Publikum zu erreichen, das bisher kein Bollywoodkino kennt bzw. schaut, muss die Werbetrommel noch kräftig weiter gerührt werden, wenn der Film auch hierzulande ein Erfolg werden soll. Wer weiß, vielleicht ist dies ja tatsächlich der Beginn einer wunderbaren Filmfreundschaft zwischen Bollywood und Berlin.

Maren Schrobar, 25.10.'10

 

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